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Alle packen mit an

Wer sind mit dir Gastgeber und Gastgeberinnen, wenn Fremde ins Haus kommen?

Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Knete es und backe Brotfladen!
Gen 18,6

Die „reiche Tante aus Österreich“ war abgereist, und die Volontäre tauchten aus ihren Verstecken auf. Endlich konnten sie wieder im Gemeinschaftsraum sitzen, der durch den Gast blockiert gewesen war. Das glaubten sie jedenfalls. Während ich schimpfte: „Warum habt ihr nicht mitgeholfen? Ich musste mich allein um alles kümmern.“
„Sie war doch dein Gast! Wir wollten euch nicht stören“, lautete die Antwort.

Bald meldeten sich neue Gäste an. Dieses Mal aber bereitete ich den Besuch gemeinsam mit den Volontärinnen und Volontären vor. Ich erklärte ihnen, wer die Gäste seien, woher sie kämen und warum sie unser Werk kennenlernen wollten. Dann wurden die Aufgaben verteilt. Die Begrüßung wollte natürlich Moise übernehmen. Ich schrieb ihm in Blockbuchstaben die Namen der Gäste auf einen Zettel und übte mit ihm die richtige Aussprache. Geduldig wiederholte er die Namen. Inzwischen richteten die Volontärinnen und Volontäre die Zimmer her, während andere planten, was sie kochen würden, mit frischem Gemüse aus dem Garten. Zwei Mädchen sollten am Tisch bedienen. Jetzt waren alle im Einsatz und aufgeregt, nicht nur ich.
Am Haustor warteten unsere Kinder auf die Gäste. Sie liefen den Leuten entgegen und führten sie zum Gemeinschaftsraum, wo der Tisch gedeckt war. Nun sollte Moise die Besucher begrüßen. Aber er hatte seinen Zettel verloren und natürlich die Namen vergessen. So bat er alle, sich zu setzen, und sagte dann: „Liebe Freunde, herzlich willkommen in unserer ELIJAH-Familie!“ Er bat jede und jeden, sich selbst vorzustellen. Ein Volontär sollte den Anfang machen, er lief rot an und brachte nur ein paar Worte heraus: „Ich bin Stefan, ich mache seit der Matura ein Praktikum und weiß noch nicht, was ich studieren will.“ Dann war Silvia an der Reihe. Sie hatte auf der Straße gelebt, doch jetzt hat sie eine Arbeit und hilft im Sozialzentrum in Bukarest mit. Selbstbewusst erzählte sie von ihren schweren Zeiten. Moise leitete die Runde und flocht seine Späße ein. Auch die Gäste stellten sich vor. Schließlich erzählte Moise von sich, seinem Leben im Kinderheim, auf der Straße, mit Drogen, im Gefängnis und mit uns. Die Gäste hörten nicht auf zu fragen. Unsere ungewöhnliche Truppe hatte sie so gepackt, dass sie fast das Essen vergaßen. Ich musste sie drängen, zuzugreifen.

Dieses Mal war mir besser gelungen, was Abraham getan hatte. Er lief „eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Knete es und backe Brotfladen!“ Sara wurde genauso wie ihr Mann zur Gastgeberin für die drei Fremden, durch die Gott selbst ihr Zelt betrat, den Raum der Familie. Sara hätte ja auch die Köchin beauftragen können, doch sie machte selber mit. Unsere Gäste waren begeistert, weil alle aus unserer Gemeinschaft gegeben hatten, was sie konnten. Und ich brauchte keinen Vortrag zu halten, unsere jungen Leute zeigten selber, was sie können und wollen und was sie bewegt.

Gastgeber zu sein ist viel Arbeit und braucht guten Geist. Wer sind mit dir Gastgeber und Gastgeberinnen, wenn Fremde ins Haus kommen?