Wie vermittle ich meine Freude am Glauben?
Denn ich habe ihn dazu ausersehen, dass er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm gebietet, den Weg des HERRN einzuhalten und Gerechtigkeit und Recht zu üben, damit der HERR seine Zusagen an Abraham erfüllen kann.
Gen 18,19
Sind ihre Eltern auch religiös? Dieser Frage begegne ich oft. Ja, sie sind es und es prägt ihre Sicht auf die Welt und ihren Alltag. Das gemeinsame Tischgebet, die sonntägliche Messe und das Kreuzchen auf die Stirn vor langen Reisen waren für uns vier Kinder ebenso selbstverständlich wie die Diskussionen über die gehörte Predigt, das gemeinsame Adventsingen sowie der Besuch von Kranken und Einsamen. Bis zur eigenen Firmung gehörte dies zum familiären Alltag. Mit der Firmung überließen unsere Eltern uns die Entscheidung, wie wir unseren Glauben leben wollten. Keine Ahnung wie die Diskussionen gewesen wären, wenn wir uns ganz vom Glaubensweg entfernt hätten. Es kam nicht dazu. Mit Höhen und Tiefen suchte und sucht jeder von uns „den Weg des Herrn“ einzuhalten. Dass dies so ist, ist sicherlich auch dem Vorbild meiner Eltern zu danken – selbst wenn jeder von uns dies so unterschiedlich erlebt hat. Aber ein Garant ist es nicht. Wie viele Eltern kenne ich, die mit viel Liebe und Geduld ihren Glauben leben, aber ihre Kinder wenig damit anfangen können! Die Gründe dafür sind vielseitig und oft auch unergründlich.
Gerne hätten wir eine Antwort auf die Frage, wie die eigene Freude am Glauben so vermittelt werden kann, dass sie von den meinen, den mir anvertrauten angenommen werden kann. Mir sind schon viele kreative Antwortversuche begegnet, einige habe ich selbst ausprobiert. Einzelne fielen auf fruchtbaren Boden, einige erstickten die Reize des Alltags und wieder andere verhallten einfach. Über die letzten knapp fünfzehn Jahre begleitete ich mehrere hundert Kinder und Jugendliche. Eine Minderheit von ihnen wächst in einem religiösen Haushalt auf. Allein von den derzeit gut siebzig ehrenamtlichen Gruppenleitern im katholischen Jugendverband ist gerade einer Handvoll die Sonntagsmesse selbstverständlich. Bei maximal fünf Heranwachsenden hätte ich mir eine geistliche Berufung vorstellen können. Viele kirchliche Strukturen erleben sie als ungerecht und ausgrenzend. Hören sie noch bei der Predigt bei Jugendgottesdiensten zu, ist die innerliche Entfernung ab Beginn des Hochgebets deutlich spürbar. All das macht es nicht leicht, den Weg des Herrn auszuloten. Vor allem dann nicht, wenn mein Blick schon von meinen Erwartungen gefärbt ist. Dann steuert das enttäuschte Ego zielsicher auf die Nabelschau zu und verhindert jegliches Staunen über all das Gute, das durch diese konkreten Jugendlichen gewirkt wird. Wie sie mit ihrer großen Begeisterung und beeindruckender Hingabe eine Gemeinschaft kreieren, in der unzählige Kinder unvergessliche und stärkende Erfahrungen sammeln können. In der sie lernen, miteinander in ihrer Unterschiedlichkeit unterwegs zu sein und ihre Erfahrungen zu reflektieren. In der sie durch liebgewonnene Rituale in Berührung mit der Frage nach Gott kommen, auch wenn deren Antworten sich von jenen des Katechismus unterscheiden. In der sich ihre Grüpplinge darauf verlassen können, dass sie selbst nach sieben Stunden Schule und kaum was im Magen, mit einer Engelsgeduld mit ihnen spielen. In der Fünftklässler mit Oberstufenschülerinnen über Anträge diskutieren und dabei ernstgenommen werden. In der Studenten ihre Prüfungstermine und Sommerpläne so gestalten, dass sie den Kleinen zwei Wochen voller Abenteuer bereiten können. Und schon bin ich ins Schwärmen gerutscht.
Gemeinschaft, Reflexion und Spaß – mit diesen drei Schlagworten beschreiben viele im Rückblick ihre Zeit im Jugendverband. Das sind sicherlich drei wertvolle Meilensteine auf dem „Weg des Herrn“. Und ich darf letztlich hoffen, dass er seine Zusage an Abraham an ihnen erfüllt.