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Tropfen der Liebe in einem Ozean von Gift

Wer schenkt mir durch sein Vorbild Hoffnung auf den menschlichen Geist?

Da sprach der HERR: Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Gen 18,26

Maria Babich, Maria Charaszkiewicz, Paul und Jeanne Duysenx, Iloa Elias, Alphonse und Emilie Gonsette, Pawel Horbaczewski, Helena Korzeniewska, Wladislaw Kowalski, Jan Pietkun, Zygmunt und Wiktoria Strusinski und Karla Weiss – diese elf Menschen waren die ersten.
Elisabeth Abegg, Albert Battel, Berthold Beitz, Hans Georg Calmeyer, Theodor Dipper, Hans von Dohnanyi, Wolfgang Frommel, Auguste Gehre, Wilhelm Hammann, Bernhard Lichtenberg, Oskar Schindler, – diese zehn Menschen stehen für die insgesamt 666 Deutschen.
Madeleine Barot, Jules Boucherit, Jacques Ellul, Pierre-Marie Gerlier, Père Jacques de Jèsus, Suzanne Spaak, Pierre-Marie Thèas, Andrè Trocmé, Adélaïde Hautvol, – neun Franzosen von den über viertausend.
Wanda Bottesi, Karl B. Gröger, Irene Harand, Ella Lingens, – vier der 115 Österreicher.
August Bohny, Friedel Bohny-Reiter, Friedrich Born, Paul Grüninger, Carl Lutz, Ernest Prodolliet, – sechs der 49 Schweizer.
Antonina Wyrzykowska, Rudolf Weigl, Henryk Sławik, Irena Sendler, Cecylia Roszak, Franciszek Raszeja, Wanda Makuch-Korulska, Jan und Antonia Żabiński, Gertrude Bablinska – zehn Beispiele von über 7300 Polen.
Fünfzig Namen von den über 28.700 Menschen, die mitten im Holocaust Leben gerettet haben. Jede einzelne mit den Mitteln und Möglichkeiten, die sie hatten oder suchten. Oskar Schindlers Bekehrung und Einsatz für die Verfolgten ist durch den Film Schindlers Liste weltbekannt. Andere sind eher unbekannter geblieben. Ihre Handlungen wirken aber bis heute. Ob sie nun einen einzelnen verwaisten Jungen wie einen eigenen Sohn großzogen, oder sieben jüdische Flüchtlinge unter ihrem Schweinestall versteckten. Ob sie als Zoodirektor in ihrer Villa und im Zoo hunderten Unterschlupf gewährten oder einfach für das Leben ihrer Schulfreundin ihr eigenes riskierten. Ob sie falsche Geburts- und Taufurkunden ausstellten, oder Musik für die Kämpfenden im Warschauer Aufstand spielten. Ob sie gerissen waren, wie Irena Sendler, die sich mit anderen Helferinnen Dienstausweise der Sanitärkolonne organisierte, zu deren Aufgabe die Bekämpfung ansteckender Krankheiten im Warschauer Ghetto gehörte. So konnte sie über 2000 jüdische Kinder herausschmuggeln und über ihr Netzwerk in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäuser unterbringen. Sie fälschte Dokumente und versteckte die Listen der wahren Namen mit verschlüsselten Adressen in Einmachgläsern unter einem Apfelbaum, um eine spätere Zusammenführung zu ermöglichen. Selbst nachdem sie gefangen und gefoltert wurde, verriet sie keine Namen. Über Kontakte wurde sie freigekauft, und wirkte unter veränderter Identität bis zum Ende des Krieges im Untergrund weiter.
An diese fünfzig und den weiteren über 28.700 Menschen erinnern die über 2000 gepflanzten Bäumen auf dem „Berg des Gedenkens“ sowie die vielen Gedenktafeln im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ in Yad Vashem. Diese Gerechten wirkten wie „Tropfen der Liebe in einem Ozean des Gifts“. So nannte die israelische Außenministerin Golda Meir die ersten elf Gerechten in ihrer Rede zur Eröffnung der Allee der Gerechten auf dem Berg des Gedenkens. Durch deren Einsatz hätten sie in den Augen der Ministerin „nicht nur den Juden das Leben gerettet, sondern auch die Hoffnung und den Glauben an den menschlichen Geist.“