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Wir haben uns zusammengestritten

In den Schwierigkeiten des Gesprächs sehe ich den anderen in neuem Licht.

Der HERR ging fort, als er aufgehört hatte, zu Abraham zu reden, und Abraham kehrte an seinen Ort zurück.
Gen 18,33

Nicu, ein ehemaliger Schützling hat sich zum Mitarbeiter entwickelt. Den Roma-Kindern ist er näher als alle ausgebildeten Sozialassistenten. Allerdings, alle paar Monate ist ein Gespräch mit ihm fällig. Er hat seine Eigenheiten und reizt uns so lange, bis es zu viel wird. Er zahlt die Miete für seine Wohnung nicht, er hat sich in eine Kollegin verliebt und stellt ihr ständig nach. Zuletzt hat er sich für eine Woche krankgemeldet.
Es war wieder einmal so weit, dass ich Nicu zum Gespräch bestellen musste. Mit unschuldigem Blick setzte er sich hin. Ich begann mit den Vorwürfen, nannte einen Termin, an dem er die Schulden zu zahlen habe. Das Verhältnis zur Kollegin war ein schwieriges Thema. Er sei nun mal verliebt und habe das Ziel, dass sie ein Paar würden. Sie habe nur noch nicht erkannt, dass sie ebenfalls in ihn verliebt sei. Wir erreichten zumindest, dass er sie nicht mehr in der Dienstzeit belästigen würde. Dann kamen wir zum Thema Krankschreibung. Er gab sofort zu, dass er nicht krank gewesen war, sondern einfach keine Lust zum Arbeiten gehabt hatte. Wenn der Arzt mich krankschreibt, obwohl ich gesund bin, ist er der Schuldige, nicht ich, so seine Argumentation. Wir kamen nicht weiter. Ich riskierte die Trennung von ihm, obwohl ich sie nicht wünschte. Konnten wir mit einer solchen Einstellung zusammenarbeiten?
Während wir noch miteinander rangen, schaute ich ihn an und sah das Kind vor mir, das wir vor vielen Jahren am Bahnhof in Bukarest aufgelesen hatten. Und ich dachte an die armen Kinder im Dorf. Sie hängen an Nicu, auch am Abend und am Sonntag. Dieser Gedanke löste meinen Ärger auf, und ich versuchte von neuem das Gespräch. Wolle er wirklich seine Freunde verlassen? Die Kinder sehen in ihm ein Vorbild – sei er das noch für sie? Oder würden sie nicht über ihn lachen, wenn sie hörten, wie er alles hinwerfe? Ob es die faule Woche wert sei, alles aufzugeben, was er erkämpft habe? Plötzlich fiel ihm ein, dass Raluca noch Schuhe brauchte und Novac eine Arbeit suchte. Er setzte sich für seine Schützlinge ein und vergaß, um „sein Recht“ zu kämpfen. Wir redeten über die Kinder und ihre schwierigen Eltern. Nicu war wieder in seinem Element. Und dann versprach er, er werde die verlorene Woche einarbeiten. Wir umarmten uns und gingen auseinander.

Im Ringen mit unseren jungen Leuten öffnet mir das Gespräch zwischen dem HERRN und Abraham oft einen neuen Blick. Gott schuf die Initiative zum Gespräch. Und er beendete es auch. Übereinstimmung war gewonnen, sie trennen sich in Frieden.

Ich sehe mein Gegenüber plötzlich in überraschendem Licht: Nicu, wie er als Kind war und
wie er sich heute für die Ärmsten einsetzt. Und ich kann dem Rat des heiligen Ignatius folgen, nach dem jeder gute Christ bereitwilliger sein soll, „die Aussage eines anderen positiv auszulegen, als sie zu verurteilen“ (Exerzitienbuch Nr. 22).