Wer sind die Menschen, die die durch deinen Optimismus Trost finden und gestärkt werden?
Abraham soll doch zu einem großen, mächtigen Volk werden, durch ihn sollen alle Völker der Erde Segen erlangen.
Gen 18,18
Heute haben wir in unserer ELIJAH-Gemeinschaft in Marpod Zuwachs bekommen. Fabian, der Leiter unseres Sozialzentrums „Luisa“ in Bukarest, hat drei Männer mitgebracht: Costi, Alex und Nicusor. Sie lebten auf der Straße und kamen in unser neues Notquartier am Bahnhof. Als Fabian fragte, wer einen Einsatz in Marpod machen wolle, meldeten sich die drei. Nach der langen Fahrt hatten sie großen Hunger. Dann bezogen sie ihr Zimmer. Viel Gepäck hatten sie nicht, ihr Hab und Gut passt in einen Plastiksack.
Am Abend saßen wir zusammen um den großen Tisch. Wer bist du?, lautete die Frage an jede und jeden. Costi, der gerne redet, begann zu erzählen. Seine Eltern kennt er nicht, weil sie ihn nach der Geburt im Spital zurückgelassen hatten. Er kam in ein Kinderheim, damals in der schlimmen Ceaușescu-Zeit. Trotz aller Probleme hat er zwölf Schulklassen abgeschlossen, war bei der Armee und lernte Koch. Erst spät erfuhr er, dass er acht Geschwister hat, und lernte seinen Vater kennen. Der teilte ihm mit, dass er Costi nur als Sohn anerkenne, wenn er arbeite und Geld bringe – für Alkohol. Kurz darauf starb der Vater an Leberzirrhose. Costi landete auf der Straße, bis er in die Casa Luisa kam. Sein großer Wunsch war, endlich eine Familie zu erleben.
Dann berichtete Alex. Er stammt aus Chișinau in der Republik Moldau. Bis er zehn Jahre alt war, hatte er eine schöne Kindheit; dann starb die Mutter. Sein Vater verkraftete den Schmerz nicht, die Kinder wurden zu einer anderen Familie geschickt. Alex ging in die Schule, aber seine Haltung war: Ich bin ein Rebell. Als er achtzehn Jahre alt war, versuchte er sein Glück in Rumänien. Er schrieb Gedichte, arbeitete als Fotograf. Aber bald ging ihm das Geld aus, und er landete am Bahnhof in Bukarest. Nun ist er neugierig, wie er sich weiterentwickeln kann.
Nicusor ist groß und dünn. Immer hat er eine grellorange Mütze auf, die ihm wohl Schutz bieten soll. Seine Eltern kennt er nicht, ebensowenig wie seine zwölf Geschwister. Sie wurden alle in verschiedene Heime gesteckt. Dort wurde Nicusor von den Großen gequält, Narben im Gesicht zeugen davon. Über seinen Sozialbetreuer hat er erfahren, dass der Vater die Mutter so misshandelt hatte, dass sie starb. Daraufhin erhängte sich der Vater. Jeden Tag betet Nicusor, dass seine Eltern ihn vom Himmel aus behüten mögen.
Gegenüber den Schicksalen der drei Neuen verblassten die Lebensgeschichten der Volontäre und Mitarbeiterinnen. Den Schluss im Reigen machte Bitcy. Sie kommt aus Kerala in Indien und lebt seit kurzem mit ihrem Mann und zwei Kindern bei uns. Sie hatte Tränen in den Augen. „Ihr habt alle erzählt, dass ihr eure Eltern verloren habt. Ihr habt sie im Herzen. Wir haben drei Kinder verloren. Auch sie sind in unseren Herzen. Jetzt sind wir alle eine Familie. Ich möchte auch für euch die Mama sein. Und ihr seid meine Kinder.“
Die junge Mutter aus Kerala hat eine Berufung gefunden, ähnlich wie Abraham. Ihre schöne kleine Familie soll zum Kern einer Gemeinschaft von Menschen werden, die Zuflucht suchen. Die Kinder im Sozialzentrum, die ausländischen Volontäre und jetzt die drei Männer, „ewige Straßenkinder“, sollen durch sie den Segen einer Familie erleben, Geborgenheit und einen Weg in die Zukunft finden.
Wer sind die Menschen, die die durch deinen Optimismus Trost finden und gestärkt werden?